Theodor Zink Museum

Das Museum

Öffnungszeiten

Mittwoch bis Freitag 10:00 bis 17:00 Uhr
Samstag und Sonntag 11:00 bis 18:00 Uhr

Feiertage:
1. Januar geschlossen
Karfreitag, Ostersamstag, -sonntag geschlossen
Ostermontag geöffnet
1. Mai geöffnet
Himmelfahrt geöffnet
Pfingstsonntag geöffnet, Pfingstmontag geschlossen
Fronleichnam geöffnet
3. Oktober geschlossen
Allerheiligen geschlossen
Heiligabend, 1. Weihnachtstag geschlossen
2. Weihnachtstag geöffnet
Silvester geschlossen


Das Theodor-Zink-Museum und

ein Abriss seiner Geschichte

Stationen eines Stadtmuseums

Dokumentation von Dr. Jens Stöcker, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Theodor-Zink-Museums

Die Einladung zu dieser Dokumentation „Stationen eines Stadtmuseums“ erging zunächst unter der Überschrift „75 Jahre Theodor-Zink-Museum“. Dies mag manche von Ihnen verwundert haben, feierten wir doch erst vor zwei Jahren „30 Jahre Theodor-Zink-Museum“.

Dass der 30ste Geburtstag eher zutrifft als der 75ste ist aber wiederum weder falsch noch richtig. Dazu unsere kleine Dokumentation im Museumsfoyer.

Im Laufe des Jahres 1907 beauftrage der damalige Oberbürgermeister Dr. Hans Küfner Theodor Zink (1871-1934), den Namensgeber unseres Museums, mit der Betreuung des Stadtarchivs und – eher nebenbei – mit der Sammlung von Objekten für ein Heimatmuseum. Der Auftrag, eine Sammlung für ein Stadtmuseum anzulegen wurde 1912 nochmals explizit wiederholt und auch schriftlich fixiert.

Theodor Zink war zu diesem Zeitpunkt noch Lehrer und übernahm diese Aufgaben mehr oder minder nebenberuflich. 1921 stellte ihn Hermann Graf, Direktor des pfälzischen Gewerbemuseums und der Handwerkschule, als Konservator der Abteilung „Inventarisation der pfälzischen Handwerksaltertümer“ ein und honorierte damit sein Engagement, ländliches Leben und Handwerk zu dokumentieren.

1922 wurde die Stelle schließlich in eine hauptamtliche umgewandelt, so dass sich Zink nun ausschließlich der Museums- und Sammeltätigkeit widmen konnte. In gemeinsamer Arbeit mit dem Fotograf Reinhold Wilking, der für die neu gegründete Abteilung Fotografie am Gewerbemuseum eingestellt wurde und in den 1920er und 30er Jahren zu den bekanntesten Fotokünstlern der Pfalz gehörte, entstanden in den folgenden Jahren Fotografien, die einen originellen Blick auf das ländliche Leben in der Pfalz darstellen.

Die Bedeutung die man der Aufgabe von Theodor Zink beimaß verdeutlich vielleicht die Tatsache, dass man ihm 1924 einen Dienstwagen zur Verfügung stellte, mit dem er drei- bis viermal wöchentlich die Pfalz bereisen konnte, um die seine Inventarisierung voranzutreiben, Fotos aufzunehmen und Sammlungsstücke – vermutlich sowohl für die Landesgewerbeanstalt wie für das Stadtmuseum zu erwerben.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges plante Zink die Einrichtung eines Kriegsmuseums in Kaiserslautern, der Verlauf des Krieges und dessen Ausgang ließen ihn aber davon abkommen.

1926 wurde das erste Stadtmuseum eröffnet

1922 stellte ihm die Stadt im Stadthaus in der Steinstraße 9 zunächst zwei Räume zur Verfügung. Dort wurde 1926 dann endlich auch das erste Stadtmuseum von Kaiserslautern eröffnet.

Einen von Zink verfassten Bericht über das Museum können Sie in der Ausstellung lesen. Um sein Ziel einer lebendigen Geschichtsvermittlung zu verwirklichen, gründete Theodor Zink 1928 in Kaiserslautern einen Förderkreis für ein „Volkskundemuseum“.

Das Museum für pfälzische Volkskunde sollte Lebensaufgabe von Theodor Zink werden. Unmittelbar nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde die Einrichtung eines Volkskundemuseums in Kaiserslautern beschlossen und das Gebäude der Spittelmühle bereitgestellt. Zum Direktor wurde Theodor Zink berufen.

Theodor Zink, der sich explizit zur neuen politischen Richtung Deutschland bekannte und als einer der Ersten den Deutschen Christen beitrat, sah nun die besten Voraussetzung für seine volkskundliche Arbeit und seine Heimatforschung gegeben. Seine jahrzehntelange Sammeltätigkeit konnte sich nun auch in einer adäquaten musealen Präsentation niederschlagen, seine erhaltene Korrespondenz belegt dies eindrücklich.

Das pfälzische Volkskundemuseum sollte im November 1934 eröffnet werden, aber wenige Tage vor der geplanten Eröffnung starb Zink.

Hier kommen wir dann dem Datum näher, das die „75 Jahre Theodor-Zink-Museum“ ausmacht.

Auf Theodor-Zink folgt Dr. Hermann Moos

Nachdem Zink gestorben war, wurde die geplante Eröffnung zunächst abgesagt. Anfang 1935 übernahm Hermann Moos die Museumsleitung und eröffnete nach der Fertigstellung der Ausstellung am 12. Mai 1935 das Volkskundemuseum unter dem Namen „Theodor-Zink-Museum“ im ersten Obergeschoss der Spittelmühle. Der Name sollte an den unermüdlichen Sammler und Bewahrer erinnern – und tut es bis heute.

Hermann Moos, der neue Museumsleiter, stammte aus Speyer und hatte nach dem Ersten Weltkrieg in Heidelberg Kunstgeschichte, Volkswirtschaft, Jura und Literaturwissenschaft studiert. 1920 wurde er in Tübingen in Staatswissenschaften promoviert. Nach seiner Promotion war er im Unternehmen seines Schwiegervaters in Heidelberg und Neckargemünd tätig. Diese Industrietätigkeit war offenbar weder für den Betrieb noch für Moos selbst sehr ersprießlich, denn er war ab 1926 nur noch als freischaffender Schriftsteller und Komponist tätig – die Finanzlage seiner Familie machte es möglich.

Schon während seiner Beruftätigkeit hatte Moos in Heidelberg Musikwissenschaften und Komposition studiert. Er komponierte zahlreiche Lieder und Klavierstücke und die Oper „Brautschuß“, die 1927 in Aachen uraufgeführt wurde und veröffentliche Kurzgeschichten, Novellen und Neufassungen von Märchen und Sagen aus der Pfalz.

Ab Ende der 1920er Jahre begann Moos zusätzlich ein Volkskundestudium bei Eugen Fehrle in Heidelberg. Wenn meine Fachkollegen und ich heute den Namen Eugen Fehrle hören beginnen sofort die Warnsignale zu leuchten. Fehrle war seit 1926 Lehrbeauftragter für Volkskunde in Heidelberg. Als äußerst engagierter Parteigenosse übernahm er 1933 im badischen Kultusministerium die Hochschulabteilung und machte sich  selbst zum Ordinarius für Volkskunde in Heidelberg. Fehrle war einer der Hauptverantwortlichen für die „Gleichschaltung“ und „Säuberung“ des gesamten akademischen Lebens im südwestdeutschen Raum. In ganz besonderer Weise prägte er auch das Bild der „braunen Universität Heidelberg“ während des Nationalsozialismus. In seiner „Lehrstätte für deutsche Volkskunde“ ging es ihm um den „Mutterboden germanischen Sinns und Lebens“ und die „ewigen Gesetze des Deutschtums“.

Durch die Vermittlung Fehrles konnte Moos in Heidelberg erste Aufsätze über „Brauchtum“ und die „Volkskultur der Heimat“ publizieren, die ihn mit der Nationalsozialistischen Presse in Verbindung brachten und ihm Eingang in den Kreis der „Brauchtums- “ und „Volkstumsforscher“ des Nationalsozialismus ermöglichten.

Diese Kontakte führten schließlich zu seiner Berufung nach Kaiserslautern. Kaum ein Jahr nach der Eröffnung ließ er das Theodor-Zink-Museum – mit dessen Namen er sich immer etwas schwer tat – für eine umfassende Erweiterung und Erneuerung schließen.

Moos hatte klare Vorstellungen davon, was sein neues Museum im Kontext des Nationalsozialismus zu leisten habe: „Das Museum im alten Sinne und Stil hat keinen Platz im neuen geistigen Raum. Wir müssen das neue Museum schaffen, das seinen Auftrag von der Politik ableitet […]“

Im November 1936 eröffnete er schließlich das komplett umgestaltete Museum, das sich jetzt über nahezu den gesamten Bau erstreckte.

Im Sinne nationalsozialistischer Ideologie hatte das Museum zum Ziel: „Das Volkstum … in der Grenzmark zu betreuen und zu pflegen…(und) Spiegel des Volkstums zu sein, aber auch Kraftquelle des Deutschbewusstseins“. Im Museum, dessen Eingang ab der Wiedereröffnung die Inschrift „Eine Volkstum bewusste Grenzmark ist dem Reich Wehr und Brücke zur Welt“ und eine Hitlerbüste zierten, wurde neben einer „Ehrenhalle für Auswanderung“ auch ein Schallplattenarchiv mit Dialekten und das „Saarpfälzische Institut für Landes- und Volksforschung“ eingerichtet.

Das Theodor-Zink-Museum von Hermann Moos scheint die Bedürfnisse der Zeit besonders gut erfüllt zu haben, denn schon wenige Monate nach der Wiedereröffnung im Februar 1937 bescheinigte ihm der Chef des Reichskulturamtes in Berlin und das Hauptreferat Volkstum, dass das „Theodor-Zink-Museum sowohl im Aufbau wie in der Raumgestaltung die volkspolitische Aufgabe erfüllt, die die HJ an ein Heimatmuseum stellen muss, wenn es nicht nur Speicher ungeordneter Altertümer sein will“.

Tatsächlich scheint es so gewesen zu sein, dass Theodor Zink zunächst seine Sammelleidenschaft regionaler Kulturgüter und vor allem regionaler Alltagsgegenstände in den Vordergrund gestellt hatte. Eine politische Ausrichtung hatte diese Sammlung nicht und da er vor der Eröffnung des Volkskundemuseums am Stiftsplatz starb, können wir nicht sagen, wie sehr „sein“ Museum schon Reminiszenzen an den Nationalsozialismus besaß.

Das Museum von Moos besaß sie zweifelsfrei und er erweiterte die Museumssammlung auch zielgerichtet um Objekte die die vollkommen fiktive gradlinige historische Entwicklung von (in Wirklichkeit überhaupt nicht belegbaren) uralten „germanischen“ und „nordischen“ Brauch- und Volkstümern hin zu einem eindeutigen Deutschtum nahe legen sollten.

Diese letztgenannten Sammlungsstücke sind erstaunlicherweise nicht mehr in der Sammlung des Museums vorhanden.

Aber dennoch würde es Moos nicht gerecht werden, ihn ausschließlich als nationalsozialistischen Umgestalter der Sammlung von Theodor Zink zu sehen.

Zum einen erkannte auch Zink selbst in seiner Sammlung einen Beleg des Deutschtums an der französischen Grenze, zum anderen begann Moos – wenn auch politisch geprägt – ein schlüssiges Ausstellungskonzept für das gesamte Haus zu entwickeln. Außerdem kaufte er sehr qualitätvolle Stücke für das Museum an.

Er begann Sonderausstellungen zu Veranstalten und plante, das gesamte Dachgeschoss des Hauses für eine eigene Ausstellung zur Auswanderung aus der Pfalz umzugestalten.

Museum wurde 1941 kriegsbedingt geschlossen

Die Pläne von Moos konnten allerdings nicht weiter wachsen, da das Museum bereits 1941 kriegsbedingt wieder geschlossen wurde. Moos konnte so nach nur knapp sechs Jahren Museumsarbeit nur noch die Sammlungsbestände verpacken und den Transport auf die Ortenburg bei Passau begleiten, wohin das Museum größtenteils ausgelagert wurde.

Das Museumsgebäude, die Spittelmühle, überstand zwar die Kriegszerstörung, wurde aber in den 1950er Jahren abgerissen.

Elf Jahre nach dem Abriss des alten Theodor-Zink-Museums richtete Dr. Ottheinz Münch 1962 wieder ein kleines provisorisches Museum zur Stadtgeschichte mit Beständen des alten Museums ein. Das Volkskundemuseum der Pfalz entstand aber nicht wieder, zwar wurde die Wiedereröffnung des Museum wurde von verschiedenen Seiten immer wieder angemahnt, die Bestände blieben jedoch bis 1971 noch ausgelagert.

Die Museumsstücke, die nach 30 Jahren zurückkehrten, waren alter Bestand des Theodor-Zink-Museums. Nach 30 Jahren Auslagerung können wir aber bis heute nicht sagen, was damals alles nicht zurückkehrte. Und auch nach der Rückkehr der Objekte war noch nicht an die Wiedereröffnung des Museums zu denken. Das Wort „Kriegsverlust“ muss daher alles subsumieren, was in den Jahren 1941 bis zur Wiedereinrichtung des Museums 1978 aus den Museumsbeständen verschwand.

1975 konstituierte sich der „Förderkreis Theodor-Zink-Museum“, der wesentlich zur Wiedereröffnung des Museums beitrug. 1978 konnte das Museum nach dem Umbau des ehemaligen Gasthauses „Zum Rheinkreis“ in der Steinstraße 48 – nämlich hier – wieder eröffnet werden. Neben dem Haus „Zum Rheinkreis“ gehört heute auch der Wadgasserhof zum Theodor-Zink-Museum.

Das heutige Museum hat eine kulturhistorische Ausrichtung und zeigte in den nun 32 Jahren seit der Wiedergründung neben den Dauerausstellungen in Theodor-Zink-Museum und im Wadgasserhof über 220 Sonderausstellungen.

Wir haben also gleich mehrere Gründungsdaten: 1907, 1912, 1922, 1926, 1933, 1935, 1936, 1961 und 1978. Allerdings hatten alle Kaiserslauterer Stadtmuseen vor der Neugründung 1978 eine kurze Lebenszeit. Zwar wäre es nicht richtig zu sagen, dass das Museum, wie Sie es heute erleben, nur wenig mit den früheren Museen zu tun hat, denn die Früchte der Sammeltätigkeit von Theodor Zink und von Heinrich Moos machen heute noch den Großteil unserer Museumssammlung aus.

Das Sammlungs- und Ausstellungskonzept, das dem Museum seit 1978 zugrunde liegt, macht jedoch deutlich, dass wir zwar einen Teil des Namens des 1935 gegründeten Museums heute wieder führen, dass wir aber tatsächlich eine Neugründung sind, die seit 32 Jahren – länger als jedes vorherige Stadtmuseum – Kontinuität bewahrt hat.

Mit unseren Ausstellungen bemühen wir uns und um eine historisch kritische und konstruktive Betrachtung von Kulturgeschichte. Wir bemühen und um eine Kontextualisierung, nicht um eine Ideologisierung von Kulturgut.

Mit kulturhistorischen, ethnologischen und kunstgeschichtlichen Themen versuchen wir Blicke zu schärfen und zum Verständnis von Kulturgeschichte beizutragen, aber zu keinem Zeitpunkt klassifizierte das neue Theodor-Zink-Museum Kulturen in „Besser“ und „Schlechter“.